Banker, Baccara und Boliden – Formula Food de Monaco

Der Grand Prix de Monaco auf dem Circuit de Monaco vom 14. bis 16.Mai 2010

Heißgeliebter oder abgrundtief gehasster Anachronismus an der Coté d’Azur … je nachdem ob man Zuschauer oder Rennfahrer (oder noch schlimmer: Mechaniker) ist.

19 Kurven (12 mal rechts-, 7 mal linksrum) auf 3,34 Km Rennstrecke mit unebenem Asphalt, Kanaldeckeln und Fahrbahnmarkierungen.

Die Strecke so schmal wie ein Feldweg (na ja … fast), Leitplanken ohne Ende.

Auslaufzonen … mit ganz wenigen Ausnahmen: Fehlanzeige

Nahezu keine Überholmöglichkeiten. Wer auf Pole steht und sich nicht VÖLLIG dämlich anstellt – oder einfach Pech hat – wird mit größter Wahrscheinlichkeit auch als erster die Zielflagge sehen.

78 Runden, aber nur gut 260 Km bis zum Ziel … bis zu den legendären Worten des Fürsten: „Ich freue mich, dass grade Sie gewonnen haben!“ (Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob der gute Albert diese Tradition dauerhaft fortführen wird …)

Und was für klangvolle Namen haben diesen Satz nicht schon gehört.

Ayrton Senna (Den Rekord hat Schumi bis jetzt nicht geknackt … jib allet Mischael) gleich sechsmal. Fünfmal die Herren Schumacher und Hill (Graham … nicht Damon!), viermal Alain Prost, dreimal Stirling Moss und Jackie Stewart. Ein Legende wie Manuel Fangio rangiert (gemeinsam mit Niki Lauda und noch einigen anderen) mit 2 Siegen „ziemlich weit hinten“.

Das chaotischste Rennen dürfte wohl 1996 stattgefunden haben, als mit Olivier Panis (sein einziger Sieg in der F1-Karriere), David Coulthard und Jonny Herbert nur 3 Fahrer ins Ziel kamen. In die Punkte bzw. die Wertung kamen noch Heinz Harald Frentzen, Mika Salo, Mika Häkkinen und Eddie Irvine, der aber als siebter keine Punkte mehr mitnehmen konnte.

Zugegeben, ganz so dramatisch wie 1996 verläuft das Rennen nicht jedes Jahr, aber für eine Menge Unterhaltung ist sicher gesorgt … wenn man eher auf Blechschäden als auf einen spannenden Rennverlauf steht ;-)

Aber vielleicht ist der Grand Prix grade deswegen nicht tot zu kriegen. Dieses Jahr findet er zum 68ten mal statt … Chapeau!, sagt da der Franzose.


Und was hat Monaco sonst noch zu bieten?

Bei Wikipedia findet man (unter Anderem) Folgendes:

Das Fürstentum Monaco [mo'nako] ist ein Stadtstaat in Westeuropa. Es liegt von Frankreich umschlossen an der Mittelmeerküste in der Nähe der Grenze zu Italien.

Der Name geht zurück auf griechische Siedler, die sich im 5. Jahrhundert v. Chr. im Gebiet des heutigen Monaco niederließen. Zu Ehren von Herakles Monoikos errichteten sie einen Tempel. Aus dem Namenszusatz des Gottes, der so viel wie „der Einzigartige“ bedeutet, entwickelte sich der Landesname „Monaco“.

Heute ist Monaco vor allem bei den Reichen der Welt als Wohnsitz begehrt, da der Stadtstaat weder Einkommensteuer noch Erbschaftsteuer erhebt und im Ausland begangene Finanzvergehen hier nicht verfolgt werden. Unternehmen in Monaco zahlen hingegen Steuern.

Zum Thema Sport steht dort:

1929 fand erstmals der Grand Prix von Monaco statt, seit 1955 gastiert die Formel 1 jährlich im Fürstentum. Außerdem führt die Rallye Monte Carlo in den Zwergstaat.

Der AS Monaco gehört mit sieben Meistertiteln zu den erfolgreichsten Fußballvereinen der französischen Liga. Der monegassische Fußballclub spielt im Stade Louis II im Stadtteil Fontvieille. Das Fürstentum unterhält außerdem eine eigene Fußballnationalmannschaft, die aber keine offiziellen Länderspiele bestreitet.

Im Frühling findet jeweils ein Tennisturnier der ATP Masters Series statt. Gespielt wird dabei auf Sand. Das Monte Carlo Masters gehört zu den wichtigsten Turnieren im Herrentennis.

Seit 2005 wird im Fürstentum jährlich im September der Ironman 70.3 Monaco, ein Triathlon über die die halbe Ironman-Distanz (1,9 km Schwimmen, 90 km Radfahren, 21,1 km Laufen) ausgetragen.

Seit 1995 findet im November der Marathon de Monaco et des Riviera statt.

Die EPT Monte Carlo, die seit 2005 im Monte Carlo Bay Hotel ausgetragen wird, ist das bedeutendste jährliche Pokerturnier Europas.

Und zur Küche:

Die monegassische Küche ist eine mediterrane Küche. Neben Fisch- und Fleischgerichten ist aber auch die italienische Küche weit verbreitet. Monegassische Gerichte werden meist mit Oliven, Tomaten und Zwiebeln zubereitet.

Eine typische Vorspeise ist “Barbajuan”. Hierbei handelt es sich um eine spezielle Art frittierter kleiner Ravioli. Es gibt lokal unterschiedliche Rezepte für die Füllung, das monegassische Original kommt jedoch im Gegensatz zu den Barbajuan aus z. B. Menton immer ohne Reis aus.

Zu Weihnachten gibt es sehr häufig ein Weihnachtsbrot (Pain de Noël), auf welchem Walnüsse in Form eines Kreuzes um einen Olivenzweig angeordnet sind.

Soweit unser allwissendes Wiki.

Da es in unserer Essay-Reihe ja aber primär um Autorennen und das dazu gehörende gepflegte Essen und Trinken geht, würde ich sagen: ganz nett, aber die Küche hat doch sicher mehr zu bieten als Ravioli und „Hutzelbrot“.

Ich denke da doch eher an die in der Einleitung (“Wie alles begann”) erwähnte Bouillabaisse … und natürlich die Austern. OK, die sind Geschmackssache, aber auf welches Essen trifft diese Aussage nicht zu?

Wenn man sich aber einmal entschlossen hat, diese „glibbrigen, schlonzigen, schleimigen, nach Meerwasser und sonst gar nichts schmeckenden“ (das ist NICHT meine Meinung, aber bilden Sie sich doch einfach selbst ein Urteil) Tierchen zu probieren, steht man vermutlich vor einem kleinen Problem. Wie – zur Hölle – kriegt man die Dinger auf? Bitte machen Sie es nicht wie Obelix! (siehe: „Asterix und die Normannen“, Seite 12, Bild 11 “Aber ich mach’s ja mit den Nüssen wie mit den Austern: ich ess’ sie mit der Schale.”). Sie haben vermutlich keinen Zaubertrank als Verdauungshilfe und ein Pastis wird eventuell nicht mehr ausreichen.

Nein, es empfiehlt sich die Anschaffung eines Austernbrechers, wenn auch manche wohlmeinenden Ratgeber behaupten, es ginge auch mit einem kleinen, stabilen Küchenmesser. Vergessen Sie’s … Ihren Fingern zu liebe.

Am besten schauen Sie sich kurz diesen wirklich guten Beitrag auf YouTube an … da bleibt fast keine Frage offen … NUR die Auster ;-)

Und was trinken wir nun dazu?

Ich schlage Ihnen hier einmal 3 Alternativen vor. Suchen Sie sich einfach die aus, die Ihrem persönlichen Geschmack (und dem Budget) am ehesten entspricht.

Picpoul de Pinet – die Alternative

Dieser Weißwein stammt nahezu ausschließlich aus dem Coteaux du Languedoc und ist … ein Extremist. Spritzig, fast immer nach Zitrusfrüchten schmeckend und duftend und SEHR säurebetont. Bestimmt kein Wein für die Freunde eines halbtrockenen Grauburgunders.

Meine Empfehlung:

Malassagne, Coteaux du Languedoc A.C., Jahrgang 2008

Champagner – wenn nicht in Monte Carlo, wo denn dann?

Moet, Veuve Clicquot, Heidsieck, Dom Perignon, Paul Laurent und wie sie alle heißen kennt eigentlich jeder. Wie wär’s denn mal mit einem, der unter 20€ zu haben ist?

Champagne Baron-Fuenté La Révélation, Brut

Chablis – der Klassiker

Über dieses Weinanbaugebiet ist eigentlich alles gesagt und geschrieben, was zu sagen und schreiben war. Die Weine (immer und nur aus der Chardonnay-Traube und fast ausschließlich in Edelstahltanks ausgebaut) sind trocken, stahlig, säurebetont, fruchtig … die ganz großen mit einem Anklang an Feuerstein. Der hier ist mehr als OK, aber wer will, kann natürlich gern deutlich mehr Geld ausgeben:

Château de Ligny, Chablis A.C., Grande Réserve, Jahrgang 2008

Kommen wir zur Bouillabaisse. Natürlich kann man jeden der oben erwähnten Weine auch zu dieser legendären Fischsuppe trinken. Aber wer steht schon auf Langeweile ;-)

Was bleibt also? Der unvermeidliche (normale) Chardonnay oder lieber doch ein Sauvignon blanc? Und wenn der Sauvignon, dann vielleicht ein Sancerre? Gehen wir das einmal preislich gestaffelt an.

Die ersten beiden sind wirklich empfehlens- und preiswerte Alternativen, der dritte ist ein wenig teurer.

Le Bouquet Blanc, Vin de Pays du Val de Loire Domaine Laporte, Jahrgang 2008

Lassen Sie sich bitte von der Klassifizierung „Vin de Pays“ nicht täuschen. Dieser reine Sauvignon blanc von der Loire ist mehr als nur ein angenehmer Begleiter zum Essen.

Beaufleur Chardonnay, Vin de Pays d’Oc, Jahrgang 2008

WENN ich denn einmal einen französischen Chardonnay einkaufe, DANN den hier. Nicht so bitter im Abgang, wie manche seiner „Kollegen“. Fruchtig, mineralisch … lecker.

Le Grand Rochoy Sancerre, Sancerre A.C. Domaine Laporte, Jahrgang 2003

Dieser Sancerre ist über jeden Zweifel erhaben. Wer gewillt ist, fast 26€ für eine Flasche Wein auszugeben, der ist hier genau richtig.


Nun denn. Zu guter Letzt das Rezept, denn zu Austern kann ich nicht viel mehr sagen als:

Mindestens 6 pro Person, vorsichtig (siehe Filmchen), öffnen, „erstes“ Wasser abgießen, und auf einer – am besten mit zerstoßenem Eis belegten – Platte anrichten und mit Limetten-Vierteln oder Zitronen-Achteln umlegen. Davon tropfe sich jeder nach Geschmack ein wenig auf die Auster. Mit einer Kuchengabel (bitte kein Silber) essen oder einfach (stilecht) aus der Schale schlürfen.

Etwas anderes gehört nicht auf eine Auster, wenn man auch des öfteren von Schalotten, Pfeffer oder ein paar Tropfen Tabasco liest. Aber bitte: des Menschen Wille ist sein Himmelreich ;-)

Bouillabaisse

1500 g Stücke von Mittelmeerfischen, gemischt, küchenfertig
(Rorbarbe, Kabeljau, Knurrhahn, Merlan, Seeteufel, Seeaal, Makrele …)
750 g Gräten und andere Fischabfälle (Köpfe und Flossen)
250 g Garnelen (Scampi)
1 Liter Wasser
3 Stangen Lauch
3 Zwiebeln
3 Zehen Knoblauch
3 große Tomaten
Je 1 TL Thymian , Oregano und Felchelsamen, gemörsert
0,1 g Safran
1/8 Liter Gutes Olivenöl
1 Lorbeerblatt
2 TL Salz
Pfeffer, frisch gemahlen

Alle Fischstücke, und -abfälle gründlich kalt abbrausen und trockentupfen. Die hellen Teile der Lauchstangen in feine Streifen schneiden, Zwiebeln und Knoblauchzehen klein hacken. Die dunklen Teile der Blätter grob schneiden. Die Fischstücke mit Knoblauch, den Kräuter, Safran, Fenchelsaat und 6 El Öl mischen und zugedeckt marinieren lassen.

Fischabfälle mit den dunklen Lauchstücken, einer gehackten Zwiebel, Lorbeerblatt, Salz, Pfeffer, Wasser zugedeckt etwa 30 Minuten kochen lassen. Schaum – sofern welcher entsteht – abschöpfen.

Das restliche Öl erhitzen, mit den restlichen Zwiebeln und den hellen Lauchstreifen ca. 3 Minuten anbraten, dabei nicht zu dunkel werden lassen. Die Fischstücke mit der Marinade dazugeben, die Fischbrühe darüber geben und bei schwacher Hitze 5-10 Minuten leicht köcheln lassen.

Die Tomaten kreuzweise einschneiden, in heißem Wasser abbrühen, häuten und in grobe Würfel schneiden. Die Garnelen mit den Tomaten in den Topf geben und weitere 10 Minuten köcheln.

Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Dazu Baguette, am besten mit Knoblauchbutter.

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